Eingetragen von dhermany am 13.11.2014
ERSTE HILFE (3) Wie Verletzungen richtig zu versorgen sind
VON KARIN PRIGNITZ
Schloß Holte-Stukenbrock.
 
 Beim Kartoffelschälen in den Finger geschnitten, beim Handwerken den Ellenbogen aufgerissen oder unvorsichtig mit heißem Wasser hantiert. Erste-Hilfe-Ausbilder und Sanitärer Florian Popp vom Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Schloß Holte-Stukenbrock kennt die Statistik. Sie sagt aus: „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt.“
 
Ist das Malheur passiert, „sollten Wunden generell keimfrei abgedeckt werden“, empfiehlt der 27-Jährige. Die Idee, eine Wunde säubern zu wollen, sei keine gute. „Dabei werden mehr Bakterien produziert als alles andere“, warnt Popp. Das Blut selbst sei das beste Reinigungsmittel. Um die Wunde richtig zu versorgen, sollten Pflaster und Kompresse zum Einsatz kommen. Das nötige Material findet sich im Verbandskasten.
Er sollte nicht nur im Auto, sondern auch in der Wohnung parat liegen und regelmäßig kontrolliert werden. Nach Vollständigkeit, aber auch deshalb, weil einige Inhalte ein Verfallsdatum haben. Nur bis zu diesem wird die Keimfreiheit garantiert. Zudem könnten Einmalhandschuhe rissig werden oder Pflaster nicht mehr richtig kleben. Autofahrer müssen sich zudem darauf gefasst machen, dass die Polizei Verbandskästen kontrolliert. Sind Verfallsdaten überschritten, gibt es ein Verwarngeld.
Wie vielseitig der stille Retter genutzt werden kann, erläutern Florian Popp und Ersthelferin Catharina Löhrig. Beide streifen zunächst die Handschuhe über, „auch zum Selbstschutz“. Bei kleineren Wunden reicht in der Regel ein Pflaster, bei größeren kommt ein Verband mit Wundkompresse zum Einsatz. Florian Popp zeigt, wie diese Kompresse auf die verletzte Stelle gelegt wird und wickelt einen Verband Drumherum. Nicht zu stramm aber auch nicht zu locker, sondern ganz normal wird gewickelt. „Bei stark blutenden Wunden sollte man eine Druckverband nehmen“, rät Florian Popp. Wie der Name schon sage, werde Druck ausgeübt. „Das soll die beschädigten Gefäße verschließen.“
Nach einer Umwicklung sollte eines der anderen, noch eingepackten, Verbandspäckchen auf den Wundbereich gelegt und weitergewickelt werden. „Im Notfall tut es auch ein Päckchen Taschentücher oder ein Kugelschreiber“, erläutert Catherina Löhrig. Liegt eine Verbrennung vor, kann die Stelle mit einem Verbandtuch leicht abgedeckt werden. Früher wurde sie auch gekühlt, „mittlerweile nicht mehr“. Florian Popp erklärt, warum: „Er gab mehr Unterkühlungen, als dass es geholfen hätte.“
 
Fremdkörper, die noch in einer Wunde stecken, „sollte man stecken lassen“, rät der 27-Jährige. „Beim Rausziehen werden Gefäße freigelegt, und es blutet noch mehr“. Sein Tipp: „Rundum abpolstern“, damit etwa ein Nagel oder eine Scherbe sich nicht bewegen und noch weitere Verletzungen verursachen können. Ist es im schlimmsten Falle zu einer Amputation gekommen, „sollte sich ein Helfer erst um die Person kümmern und dann den Finger suchen, der ab ist“. Der abgetrennte Finger sollte dann in eine Tüte und die in eine wiederum andere Tüte mit kaltem Wasser oder Eis gesteckt werden.
 
Hat jemand ätzende Flüssigkeiten getrunken, „dann“, sagt Florian Popp, „sollte er auf keinen Fall zum Erbrechen gebracht werden“. Auch getrunken werden sollte nichts. Zum Schutz der Speiseröhre. „Notruf absetzen und dabei bleiben.“ Hat sich jemand die Flüssigkeit über die Haut geschüttet, „dann mit viel lauwarmem Wasser vom Körper weg abspülen, keimfrei abdecken und verbinden“. Ganz wichtig: „Blasen, die entstehen, auf keinen Fall aufstechen.“
 
Thema „Nasenbluten“: Kopf nicht in den Nacken, sondern nach vorne, etwas Kaltes in den Nacken legen „und laufen lassen“. Thema „Augenverletzung“: „Beide Augen verbinden, denn das geschädigte bewegt sich sonst mit und würde dadurch gereizt.“

 

So geht es: Die angedeutete Schürfwunde wird mit einem Verbandspäckchen umwickelt. Die Wundkompresse ist bereits in den Verband eingearbeitet und wird über die Wunde gelegt.  Foto: Karin Prignitz

So geht es:
Die angedeutete
Schürfwunde wird mit einem
Verbandspäckchen umwickelt.
Die Wundkompresse ist bereits in
den Verband eingearbeitet und
wird über die Wunde gelegt.
Foto: Karin Prignitz

Schnell zur Hnad: Ob Schnittwunden, Verbrennungen oder andere Verletzungen, im Verbandskasten, den Florian Popp bereitstehen hat, be- findet sich alles für die Erstversorgung von Wunden.Catharina Löhrig mimt die Verletzte. Foto: Karin Prignitz

Schnell zur Hand:
Ob Schnittwunden, Verbrennungen oder andere Verletzungen, im Verbandskasten, den Florian Popp bereitstehen hat, be-
findet sich alles für die Erstversorgung von Wunden.Catharina Löhrig mimt die Verletzte.
Foto: Karin Prignitz

 

Quelle: Neue Westfälische 13.11.2014