Eingetragen von dhermany am 07.11.2014
ERSTE HILFE (2) Stabile Seitenlage und Abnehmen eines Motorradhelmes
VON KARIN PRIGNITZ
Schloß Holte-Stukenbrock.
Wenn Menschen in Not geraten, muss schnell gehandelt werden. Vor allem bei bewusstlosen Personen ist die Erstversorgung entscheidend. Die Atmung muss sichergestellt werden und die Ersthelfer sollten wissen, wie die stabile Seitenlage korrekt ausgeführt wird. Florian Popp, Sanitäter, Erste-Hilfe-Ausbilder und Gruppenführer beim Ortsverein Schloß Holte-Stukenbrock des Deutschen Roten Kreuzes, und Rettungssanitäter Stefan Siek, der zudem stellvertretender Rotkreuzleiter ist, erklären, wie es richtig geht. Ist ein Mensch bewusstlos, „erschlaffen sämtliche Muskeln“, erläutert Florian Popp. Deshalb gelte es zunächst, mit der stabilen Seitenlage zu verhindern, dass die Zunge in den Rachen fällt und die Atemwege dadurch blockiert werden. Dabei kommt es auf die richtigen Handgriffe an, die in jedem Erste-Hilfe-Kursus gelehrt werden. „Handgriffe, die jeder beherrschen sollte“, betont der erfahrene Sanitäter, der im Gegenzug weiß, dass viele Bürger sie nur ein einziges Mal verinnerlichen, dann, wenn sie ihren Führerschein erwerben wollen. Mittlerweile gibt es Neuerungen. „Früher“, sagt Popp, sei die Hand unter den Körper geschoben worden. Das sei jedoch zu kompliziert gewesen. Effektiver funktioniere es so: Der Ersthelfer kniet neben dem Bewusstlosen. Der Arm, der dem Helfer am nächsten ist, wird angewinkelt. Der andere abgewandte Arm wird über den Körper an die Schulter gelegt und festgehalten, „sonst würde er zurückfallen“, erläutert Popp. Das gegenüberliegende Bein wird angewinkelt und festgehalten, der komplette Körper wird zum Helfer gezogen und der Kopf überstreckt.
Liegt die Person stabil, muss sie weiter betreut und vor allem warm gehalten werden. Am besten eignet sich dafür eine Rettungsdecke, „die gibt es in jedem Rettungskasten“. Die Decke hat eine goldene und eine silberne Seite. Die goldfarbene Seite sollte oben zu sehen sein. Auf diese Weise wird die Wärme am besten gehalten. „Ganz wichtig ist es, dass sie auch unter die Person geschoben wird, dass unter dem Körper etwas liegt“, das könne auch eine Jacke, ein Pullover oder eine Wolldecke sein, erläutert Florian Popp. „Viele Ersthelfer denken nicht daran, dabei geht die meiste Wärme über den Boden verloren.“Auf jeden Fall sollten Helfer bei der Person bleiben und auf deren Atmung achten, bis die Rettungskräfte eintreffen. Handelt es sich um einen verunglückten und bewusstlosen Motorradfahrer, „hieß es früher, man soll den Helm dranlassen“, erzählt Florian Popp vom Wandel der Maßnahmen. „Heute sollte man ihn unbedingt abnehmen.“ Im Idealfall sollte das mit zwei Personen geschehen. Die eine greift mit beiden Händen unter das Genick, hebt es leicht an und stabilisiert es. Die andere greift mit beiden Händen „so tief sie kommt in den Helm hinein“ und sichert den Kopf, während sie den Helm vorsichtig und mit kippenden Bewegungen abzieht. „Ein Kopf in bewusstlosem Zustand wiegt bis zu acht Kilogramm“, verdeutlicht Stefan Siek die Auswirkungen, wenn die Muskulatur erschlafft ist. Ist keine zweite Person zur Stelle, kann auch ein Ersthelfer allein den Helm abziehen. Dafür muss er sich vor den Kopf des Verunglückten knien, mit einer Hand in das Genick fassen und mit der anderen unter den Helm. Der sollte dann ebenfalls vorsichtig mit kippenden Bewegungen nach hinten weg gezogen werden. Atmet der Betroffene, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Atmet der Betroffene nicht, muss er reanimiert werden.

 

 

Einer fasst in das Genick und hält es, der andere zieht den Helm vorsichtig mit kippenden Bewegungen nach hinten weg. 
Einer fasst in das Genick und hält es, der andere zieht den Helm vorsichtig mit kippenden Bewegungen nach hinten weg.

 

Sanitäter Florian Popp greift mit seiner rechten Hand unter das von ihm entfernte Bein des Verletzten, den Stefan Siek für das Foto mimt. Dann stellt Florian Popp das Bein auf und legt seine andere Hand an die ihm zugewandte Wange. Mit beiden Händen kann er die Person dann auf die Seite drehen. | Fotos: Karin Prignitz

Sanitäter Florian Popp greift mit seiner rechten Hand unter das von ihm entfernte Bein des Verletzten, den Stefan Siek für das Foto mimt. Dann stellt Florian Popp das Bein auf und legt seine andere Hand an die ihm zugewandte Wange. Mit beiden Händen kann er die Person dann auf die Seite drehen. | Fotos: Karin Prignitz

Der Bewusstlose liegt in der stabilen Seitenlage unter der Rettungsdecke – Gold nach oben.

Der Bewusstlose liegt in der stabilen Seitenlage unter der Rettungsdecke – Gold nach oben.

Der Kopf sollte nach hinten überstreckt sein, damit der Bewusstlose nicht erstickt und eventuell Erbrochenes ablaufen kann.

Der Kopf sollte nach hinten überstreckt sein, damit der Bewusstlose nicht erstickt und eventuell Erbrochenes ablaufen kann.

Quelle: Neue Westfälische 05.11.2014