Eingetragen von dhermany am 01.11.2014

Auf den Rhythmus kommt es an

Von Karin Prignitz
Schloß Holte-Stukenbrock.
„Der größte Fehler“, sagt Florian Popp, „ist nichts zu tun.“ Der 27-Jährige ist Erste-Hilfe-Ausbilder, Sanitäter und Gruppenführer. Als solcher weiß er: „Wer nichts tut, wenn jemand Hilfe braucht, der handelt fahrlässig.“ Dennoch sind viele Menschen unsicher, haben Angst, Fehler zu machen. Auch deshalb, weil der einmal absolvierte Erste-Hilfe-Kursus meist lange zurückliegt. Dieses Zögern kann unter Umständen tödlich sein. Florian Popp erklärt, wie es geht. Die NW-Serie „Erste Hilfe“ startet heute mit den Techniken für die Herzdruckmassage und die Atemspende.
„Zunächst sollte man die Person laut ansprechen“, erklärt Popp, „und an den Schulterblättern rütteln“. Kommt keine Reaktion, ist die Person bewusstlos. Schnellstmöglich sollte dann der Kopf nach hinten überstreckt werden, „damit die Zunge nicht in den Rachen rutscht und die Atemwege blockiert“. Das geschehe, „weil bei einer Bewusstlosigkeit alle Muskeln erschlaffen“, erläutert Florian Popp. „Der Körper übt keine Funktion mehr aus.“ Wichtig sei es dann, den Atem zu überprüfen. „Mit dem Gesicht über dem Mund und der Nase in Blickrichtung zum Körper und der Hand auf Bauch oder Brustkorb.“ Wenn er sich hebt und senkt, die Person also atmet, sollte sie in die stabile Seitenlage gebracht werden.
Atmet sie nicht, muss sofort ein Notruf abgesetzt und mit der Herzdruckmassage begonnen werden. „Dafür muss der Oberkörper vollständig entkleidet sein, auch bei Frauen“, erläutert der 27-Jährige. Denn nur so könne der richtige Druckpunkt gefunden werden. Der sitzt in der Mitte des Brustkorbes zwischen den Brustwarzen. Dorthin wird ein Handballen gelegt, der andere darüber. Damit keine Kraft verloren geht, sollte das Gewicht nach vorne verlagert und mit durchgestreckten Armen etwa sechs Zentimeter tief gedrückt werden. Und zwar „solange, bis der Rettungsdienst kommt und ablöst“.
„Früher sollte 15 Mal hintereinander Druck ausgeübt werden, heute sind es 30“, erklärt Popp. „Man hat festgestellt, dass das Blut dann eher anfängt zu zirkulieren.“ Dass es bei der Druckausübung schon einmal zu Rippenbrüchen kommen kann, sei halt so. „Man darf sich nicht abschrecken lassen, wenn es knackt.“ Das Leben zu retten sei wichtiger als eine gebrochene Rippe. Die Sanitäter des DRK-Ortsverbandes Schloß Holte-Stukenbrock rufen für die Taktung beispielsweise den Rhythmus etwa von „Yellow Submarine“ ab. Nach dem ersten Intervall der Herzdruckmassage folgt die Atemspende.
„Mund zu Mund oder Mund zu Nase, das ist egal“, sagt Popp. „Beides ist effektiv.“ Wichtig sei, dass die Lippen komplett umschlossen werden oder die Nase komplett in den Mund genommen wird. Zuvor muss der Kopf wieder überstreckt werden. Bei Mund zu Mund: Die Nase zuhalten und einen normalen Atemzug, „nicht das ganze Lungenvolumen“ abgeben, „und sehen, ob sich der Brustkorb hebt und senkt“. Bei Mund zu Nase den Mund zuhalten. Nach zwei Atemspenden die Herzdruckmassage fortsetzen. Solange, bis der Notarzt eintrifft.
Herzdruckmassagen bei Kindern sollten mit einer Hand, bei Säuglingen mit zwei Fingern oder dem Daumen durchgeführt werden, erläutert Florian Popp. Kommt es zu einer selbstständigen Atmung, muss der Betroffene in die stabile Seitenlage gebracht werden.

 

Florian Popp hat die Hände für die Herzdruckmassage übereinander in die Mitte zwischen den Brustwarzen gelegt und presst. | FOTO: KARIN PRIGNITZ

Florian Popp hat die Hände für die Herzdruckmassage übereinander in die Mitte zwischen den Brustwarzen gelegt und presst. | FOTO: KARIN PRIGNITZ

Florian Popp hat den Kopf der Vorführpuppe nach hinten überstreckt. Die Nase hält er zu und gibt einen Atemzug in den Mund des Bewusstlosen. | FOTO: KARIN PRIGNITZ

Florian Popp hat den Kopf der Vorführpuppe nach hinten überstreckt. Die Nase hält er zu und gibt einen Atemzug in den Mund des Bewusstlosen. | FOTO: KARIN PRIGNITZ

Sanitäter Florian Popp überstreckt den Kopf der Vorführpuppe nach hinten. Er hält das Ohr über den Mund und legt die Hand auf den Bauch oder Brustkorb. | FOTO: KARIN PRIGNITZ

Sanitäter Florian Popp überstreckt den Kopf der Vorführpuppe nach hinten. Er hält das Ohr über den Mund und legt die Hand auf den Bauch oder Brustkorb. | FOTO: KARIN PRIGNITZ

 

QUELLE: Neue Westfälische